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17. Juni 2006, 21:10 Uhr, nggalai

Warten.

Es war einmal ein Schweizer, der mit Hämorrhoiden im Büro sass und schwitzte. Ausserdem langweilte er sich sehr, was aber nicht zu ändern war: Sein Chef hatte einfach keine Arbeit für ihn. Nicht weiter schlimm, dachte sich der Schweizer, habe ich so doch genug Zeit, mich zwischendurch aufs Klo zu verziehen und mich um meine Hämorrhoiden zu kümmern.

Der Schweizer freute sich wie ein Schneekönig, als ihm eröffnet wurde, dass er gleich für die Firma ein Telefonat führen sollte. Er hatte Beschäftigung! Zwar ging es nur um eine Transaktion, nichts Anspruchsvolles, aber es war ein Fortschritt. Er musste irgendwie noch zweieinhalb Stunden rumkriegen, bevor er endlich in das wohlverdiente Wochenende gehen konnte. Ein Wochenende, an welchem er Bier konsumieren würde, passend zum drückenden Wetter.

Bier. Ja, Bier. Der Schweizer wunderte sich. Normalerweise trank er, wenn überhaupt etwas Alkoholisches, dann doch Rotwein. Aber die Hitze der letzten Tage hat ihn augenscheinlich männlicher gemacht: Mit einem Bier in der Hand und in der Unterwäsche sass er daheim vor dem Ventilator. Und musste feststellen, dass ihm das eigentlich auch noch Spass bereitete. Also würde er sich fürs Wochenende keinen erlesenen Tropfen, sondern ein paar Bier besorgen. Er freute sich bereits darauf, aber zuerst musste er das Telefonat führen. Darauf freute er sich ja auch.

Der Anschluss klingelte. Oder das Telefon? Jedenfalls piepte es rhythmisch in des Schweizers Ohr, und er wartete. Nach zwanzig Sekunden dann endlich eine Stimme. „Einen Moment, ich verbinde“. Aber was war das? WARTESCHLEIFENMUSIK! Der Schweizer HASSTE Warteschleifenmusik, seit er ein paar Monate bei einem Telemarketing-Unternehmen gejobbt hatte. Er biss die Zähne zusammen und summte leise vor sich hin, versuchte, sich abzulenken. Nach einer subjektiven Ewigkeit kam endlich eine Person an den Apparat. „Tut mir Leid, die Dame ist gerade ausser Haus. Kann ich etwas ausrichten?“ - „Nein, danke, ich versuche es später nochmal.“ Klick. Es war überstanden.

Das Warten ging weiter.


Oh mein Gott, hab selber mit Telefonheadset Schrott aller Preisklassen vermittelt und Verkauft. Ich habe mich sogar für einen erfolgreichen (Achtung!) "Call Agenten" gehalten. Als mein Körper nicht mehr bereit war Alkohol aufzunehmen, war meine Stimme auch nicht mehr bereit sonore Wohl und Schalmeienklänge zu erzeugen.

willi | 07. Juli 2006, 01:17 Uhr | http://willi.wortbeitrag.net


Meine Freude über Deinen Kommentar zu "Gymnasiastenglück" ist riesig. Ich mag solche Bubenanfälle, Danke!

willi | 07. Juli 2006, 01:21 Uhr |


"Das Warten ging weiter."
Das Warten geht immer weiter ...

siebenkaes | 16. Juli 2007, 00:42 Uhr |


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